29.8.13

Farbenfreude

Da wenn ich von den Sommerkursen komme, wo ich allen beim Malen und Zeichnen zuschauen darf (das ist nicht ironisch gemeint!), juckts mich in den Fingern, auch selbst wieder ... Und da kommt dann, bei damals noch vollem Sommerwetter, dieses heraus:

In sich

Wild

Mic Oechsner, lässig beim Sommerfrühstück ;)

18.8.13

Schützt uns und unsere Hausfrauen ...

.... vor Kommentaren wie diesem: (Zitat) "Künstlerische Sommerkurse stellt man sich als Selbstfindungsseminar mit hohem Anteil an Hausfrauen mittleren Alters vor. Die Salzburger Sommerakademie, 1953 von Oskar Kokoschka und dem Kunsthändler Friedrich Welz gegründet, entspricht diesem Klischee keineswegs. ... " (Profil 33/ 2013, S. 87, Ni. S.)

Gott sei Dank, möchte man im Sinne der Autorin (ja, so etwas entspringt mitnichten der hyperintellektuellen Schreibfeder eines weltfern-elitären Bobo-Jüngelchens) also, Gott sei Dank! möchte man rufen! Hinweg mit den kunstunkundigen, schlaffen und peinlichen Mittvierz- und noch schlimmer! -fünfzigerinnen, heim an den Herd und husch mit dem Besen unter die Sofas! (Malen, tsss ... sonst noch was!)

Meine unumgängliche Replik als liebevolle Bewunderin aller kunstaffinen Hausfrauen in meinen Kursen sowie als Selbst-Hausfrau an das Profil liest sich natürlich geschliffener. Und zwar so:

"Da schau her. Jetzt hab ich gar nicht gewusst, dass es immer noch lustig ist, Hausfrauen und das mittlere Alter zu schmähen. (Ist Frau Hammerl auf Urlaub?)

Jedenfalls. Als Organisatorin und Leiterin von (unter anderem) „künstlerischen Sommerkursen mit einem hohen Anteil an sich selbst findenden Hausfrauen mittleren Alters“ darf ich die Autorin (und das macht es irgendwie noch schlimmer!) bitten, sich erstens mit mehr oder weniger Rührung  an die unentgeltliche Leistung dieser Hausfrauen in ihrem Kindes- und Jugendalter zu erinnern. Bzw. kurz daran zu denken, ob sie im Alter lieber von einer nahe stehenden Hausfrau (oder bis dahin vielleicht auch Hausmann) oder einer stets wechselnden Schar von  Pflegerinnen aus dem östlichen Ausland versorgt werden will.*

Zweitens sei der leicht ironischen Abwertung der genannten Hausfrauen im Angesicht echter Kunst zwar unpopulär, unkunsthistorisch und uncool, aber doch mit Inbrunst begegnet: Das Handwerk der Kunst mag im hausfraulichen Ambiente vielleicht Blüten treiben, die die Kunstkennerin mit Arroganz zu übersehen geneigt ist. Dennoch kann es wahre Kunst sein, ein Haus/ eine Wohnung/ einen Garten zu warten und zu betreuen, täglich gesundes und schmackhaftes Essen zu zubereiten (siehe Frau van Melle kürzlich auf Ö1) und neben all dem noch die Zeit zu finden, das Handwerk des Malens zu erlernen und aus zu üben.  Gar nicht zu reden von Kinder- oder Altenbetreuung oder einem zusätzlichen Teil- oder Vollzeitjob. Die Hausfrauen in meinen Kursen – Seite an Seite übrigens mit Managerinnen, Baumeistern, Ärztinnen, Pensionistinnen, Therapeutinnen, IT-Technikern, Unternehmerinnen, Anwältinnen, Studentinnen usw. - haben in diesen Disziplinen jedenfalls meine uneingeschränkte Bewunderung."

Isabella Scherabon, Kreativstudio Vogelweidplatz, 1150 Wien

* Die natürlich auch meist hervorragende Arbeit leisten - herrjeh, man muss so aufpassen, will man brav und korrekt sein ;)

Arrgh! Arghh! Ist das das Bild einer Hausfrau??? Rettet euch, oh ihr Kunstverständigen! :)
Bild von Angelika Gardowsky, Erdpigmente mit Acrylbindemittel auf Leinwand,
entstanden im Sommerkurs des Kreativstudios in Raach am Hochgebirge, 2013.



31.7.13

Gartenglü-hück: ein Bilderbuch.

Abgesehen von den vielen dürren Stellen im Gras und den rascheligen Wiesen und Wäldern ist dieser Sommer für den oberflächlichen Genussmenschen ein Traum. Oder? Da es in den Bergen genug Wasser gibt, können wir den Garten gut durch die Trockenheit bringen und das schaut dann so aus:

früh in der Früh

morgendliches Kuh-Yoga

Trocknen? Sugo? Mit Mozarella und Basilikum? Wann werdet ihr endlich rot?

Gurken-Greif-Spiralen

Die Zaunwinde macht sich über unsere Mistgabel her

Drinnen in der mächtigsten Zucchini-Pflanze ever ...

... und unter einem mannshohen Sonnenblumenschirm.



22.7.13

Die Farbe GELB - der Sommer

An Tagen wie diesen, die so reich und sonnengelb sind, ist das Leben ein Genuss. Und das ist auch Gelb - vielleicht nicht gerade als Modefarbe, denn Gelb steht nur Wenigen - aber in vielen anderen Formen lieben wir Gelb. Gelb ist in der chinesischen Elementekunde die Mitte und wird den nährenden und süßen Lebensmitteln zugeordnet. Weizen, Honig, Öle, das sind grundsätzliche Essens-Bausteine. Gold ist gelb, Safran ist gelb, also viele Dinge, die für die Menschheit hohen Wert haben.

Das gelbe Kreativstudio

15.7.13

Mehr und besser und noch mehr und zuviel

Echte Zaunwinde (Calystegia sepium subsp. sepium)
Die Zaunwinde - was sie hier tut, steht weiter unten.
Bildquelle: Wikipedia


Wir haben erst jetzt einen Ausschnitt des "Kleinen Hobbits" von Peter Jackson gesehen - irgendwie ist er an uns vorbeigegangen, obwohl wir große Herr-der-Ringe-Fans sind, sowohl filmisch als auch bücherlich. An diesem Ausschnitt nun lässt sich ganz hervorragend ein Prinzip studieren, das uns und die Welt vielerorts durchseucht. Es ist das evolutionär vielleicht sinnvolle, aber in Wirklichkeit hoch anstrengende Angetrieben-Sein zu MEHR-BESSER-COOLER-FORTSCHRITTLICHER-NEUER-EDLER-STYLISCHER USW. 

Der Hobbit ist so kristallklar, so echt, so farbentreu, so unfassbar präzise gefilmt - dass er schier in den Augen weh tut. Er ist zuviel, zuviel der Farben, zuviel des Guten, so wie das trocken gereifte Schweinsfilet mit Olivenöl-Ampulle, das mir kürzlich auf Profil-Lifestyle-Pfaden begegnet ist. Äh. (Das erinnert mich an ein Essen in einem super-schicken-hochgelobten-Fresstempel in der Nähe von Stuttgart: Als die Dame fertig war mit ihrer bühnenreifen Aufzählung, was wir alles an was und woher jetzt gleich zu uns nehmen werden würden, war das Essen kalt.) Sicher will der Mensch gut essen und natürlich ist es toll, wenn sich jemand mit Nahrungsmittel-Qualität auseinandersetzt. Keine Frage. Aber wann ist der Bogen überspannt? Wann ist genug? Ist es je genug? Wer verdient an genug? Was, wenn wir alle meistens zufrieden wären mit dem, was wir besitzen? 

Neffen malen für Tanten, Tanten zeichnen für Neffen

Mein Neffe ist ein witziges Kerlchen und hat dieses Bild gemalt:


 ... und natürlich fallen alle drauf rein: So ein süßer Schmetterling (den in der nächsten Sekunde ein grausiges Schicksal ereilt: Wer sieht den Dino, der ihn gleich frisst?)

Damit das Kerlchen auch gut lesen und schreiben lernt, hat es von der Tante dieses Fisch-ABC gezeichnet bekommen (Fische sind nämlich das Allertollste, und das Meer überhaupt)


Auf der Rückseite ist der einzelne Groß-Buchstabe und so ist das ein zuverlässiges Lese-Lern-Spiel, an meinen Kindern erprobt (mit einer Germanistik-studierenden Tochter kann man nur sagen: hat funktioniert) und an vielen, vielen Kindergruppenkindern.


Prozesse, Zyklen, Handgriffe


Auf das Flache des letzten Artikels (Flatscreen, Flatlife usw) muss unbedingt wieder etwas Rundes folgen. Das Leben also, mit alles. Wenn es etwas gibt, was der Flachheit gnadenlos zum Opfer fällt, dann sind es lange Prozesse. Etwas von Anfang bis Ende. Denn was mache ich: Ich schalte das Ding ein, ich schalte es wieder aus (manche tun das auch gar nicht mehr). Ich schaue in den Schirm, etwas passiert vor meinen Augen, ich bin betroffen, geistig angeregt, irritiert, gelangweilt, abgelenkt. Das wars. Sicher, ich arbeite und es gibt auch eine Art von Prozess, aber auf meinen Geist reduziert. Ansonsten sitze ich, die Finger klappern und tippsen herum, sehr bald bewege ich mich kaum mehr, und die Atmung wird auch - flach.

Ein echter, lebendiger Prozess lässt sich anhand Milch aus dem Supermarkt (immer gleich, kontrolliert, ultrahocherhitzt, herumgefahren, von medikamenten-gefüllten Hochleistungskühen usw.) im Vergleich zu echter Rohmilch vom Bauern erkennen. Wir kaufen die Roh-Milch also, der Anfang ist gleich. Dann aber wird aus vier Litern Milch: